“It is not the strongest that survive,
nor the most intelligent,
but those that are most adaptable to change.”

Charles Darwin

Der Computer, ein Lernobjekt

PlĂ€doyer fĂŒr eine informatische Bildung in der Oberschule

In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Art und Weise zu lernen, zu denken und zu handeln, vor allem bei den jĂŒngeren Generationen, radikal verĂ€ndert. Waren Jugendliche und Erwachsene es gewohnt sich nur auf eine Aufgabe zu konzentrierten, lernen die Jugendlichen des 21. Jahrhundert, in einem Umfeld indem es mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bewĂ€ltigen gibt, das berĂŒhmte „Multitasking“: Sie machen Hausaufgaben, schreiben gleichzeitig SMS, hören dazu Musik und unterhalten sich auf den sozialen Netzwerken.

Ein kurzer RĂŒckblick

Vor 40 Jahren ging es in der Informatik vor allem darum das Programmieren zu erlernen: an den UniversitĂ€ten lehrte man uns Fortran IV, Lochkarten wurden in einer logischen Reihenfolge hintereinander gestapelt um so ein Betriebssystem zum Laufen zu bringen, dies im wörtlichen und im ĂŒbertragenen Sinn. Nadeldrucker ermöglichten uns die Herstellung von Dokumenten unserer Arbeitsschritte in Papierform. Das Drucken von Memoiren und Thesen erlaubten diese Drucker allerdings nicht, hierfĂŒr musste man sich zusĂ€tzlich eine performante Schreibmaschine anschaffen. Diese Schreibmaschine sollte verschiedene Schrifttypen und ein Korrektursystem, also ein weißes Korrekturband besitzen. Die Mikrocomputer von damals wurden durch die allgegenwĂ€rtigen Informations-und Kommunikationstechnologien ersetzt!

Die Aufgabe der Schule

JĂŒngste Studien unterstreichen, dass Jugendliche immer mehr Stunden pro Woche im Internet surfen. Die meiste Zeit verbringen sie in den sozialen Netzwerken oder um Spiele zu spielen sowie um ihre Lieblingsmusik zu hören. Die 12-bis 17-JĂ€hrigen verbringen ungefĂ€hr 35 Stunden pro Woche im Internet oder vor dem Fernseher. Dieses Konsumverhalten bringt eine neue klinische Erkrankung ans Licht, die Internetsucht (Internet Dependence Syndrome, Internet addiction disorder). Neue Medien steigern das Konsumverhalten zusĂ€tzlich: Mit der Thronbesteigung der Smartphones ist es nun möglich ĂŒberall und zu jedem Moment im Internet zu surfen.

Das „Institut national de la statistique et des Ă©tudes Ă©conomiques“ (STATEC) hat 2009 eine Umfrage zum Thema Nutzung von Information-und Kommunikationstechnologien realisiert. Der Grad der Ausstattung der Haushalte an Computern steigt stetig an. 2009 besaßen 88% der Haushalte einen Computer wohingegen es 2005 noch 75% waren. 2009 besaßen 87% der Befragten Internetzugang. Laut der Studie „Digital Life“, welche im Juni-Juli 2010 durchgefĂŒhrt wurde, besaßen sogar 98% der luxemburgischen Haushalte einen PC.

Die Experten Meinungen zu dieser Entwicklung weichen voneinander ab. Die Einen wie Manfred Spitzer behaupten, dass Fernseher und Computer der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen Schaden zu fĂŒgen wĂŒrden, außerdem schade es der Bildung der Jugendlichen. Andere wiederum behaupten, dass durch Computer und Fernseher das Lernen gefördert wird. Zu Bemerken, dass die Schule nicht alle Wissensbereiche diesbezĂŒglich abdecken kann, will Spitzer Computer aus Grundschulen und den Unterstufen des Gymnasiums verbannen. Nur die Oberstufe soll Zugang zu Computern erhalten. Im Gegensatz hierzu steht eine Studie der OECD . Diese Studie ergibt, dass 15-jĂ€hrige SchĂŒler, welche regelmĂ€ĂŸig einen Computer benutzen im Allgemeinen bessere Resultate in den naturwissenschaftlichen und mathematischen FĂ€chern erzielen.

Haben wir eine Wahl? Gehört es nicht zu den Aufgaben der Schule die großen VerĂ€nderungen in der Gesellschaft zu berĂŒcksichtigen? Wir hoffen, dass die Filterung von Informationen, der kritische und qualifizierte Blick auf diese Informationen und der verantwortungsvolle Umgang mit IT-Werkzeug kĂŒnftig eine entscheidende Rolle in der Schule spielen werden. Die informatische Bildung muss einen Platz in der Schule haben. Aufgrund der speziellen RĂ€ume, welche benötigt werden ist die Stundenzahl fĂŒr dieses Fach jedoch auf ein oder zwei Studenten pro Woche begrenzt.

Der Ansatz „ein Computer pro SchĂŒler“ macht Sinn, auch wenn dies recht kostspielig erscheint. Dieser Ansatz ist komplex und es erfordert viel Engagement seitens des pĂ€dagogischen und technischen Personals.

Was sind die Chancen und die Risiken eines solchen Ansatzes im Lehrplan der SchĂŒler?

Ein Wort zu den Vorteilen und den Risiken

Ein Vorteil des Ansatzes „ein Computer pro SchĂŒler“ ist zweifelsfrei, dass die SchĂŒler ein gesteigertes VerantwortungsgefĂŒhl entwickeln, da sie die Autoren, Organisatoren und Verwalter ihres eigenen Computers sind. NatĂŒrlich muss er sich selbst fĂŒr jede nicht von der Schule autorisierte Manipulation verantworten.

Ein zweiter Vorteil eines Computers ist die MultifunktionalitĂ€t des GerĂ€ts. Man kann Texte schreiben, recherchieren, prĂ€sentieren, kommunizieren und interaktive Übungen im Internet machen: Das sind alles neue Bildungswege, Funktionen welche sofort auf dem GerĂ€t verfĂŒgbar sind. Vor nicht allzu langer Zeit hat man sehr lange gebraucht um ein tadelloses handgeschriebenes Dokument zu verfassen. Heute hat sich das geĂ€ndert vor allem in der außerschulischen Welt. Die Zeit, welche man frĂŒher bei der Überarbeitung verloren hat kann heute zum Lernen genutzt werden. L. Van Dusen und R.B. Worthern unterstreichen in ihrer Studie, welche sich mit der Integration der der Informations-und Kommunikationstechnologie beschĂ€ftigt, dass die SchĂŒler die einen PC benutzen um ihre Hausaufgaben zu erledigen 20% mehr Zeit ĂŒbrig haben um zu lernen.

Ein weiterer Vorteil ist die höhere QualitĂ€t des Layouts oder der audiovisuellen PrĂ€sentation, welche die Arbeit des SchĂŒlers aufwertet und ihn zusĂ€tzlich motiviert. Gleichzeitig ist das Miteinbeziehen der Technologie ein großer Motivationsfaktor, denn die Schule greift auf Tools zurĂŒck, welche die Jugendlichen auch privat stĂ€ndig benutzen.

Durch die Technologie können die Schwierigkeiten schwĂ€chere SchĂŒler besser nachvollzogen werden. Die StĂ€rkeren hingegen kommen schneller mit ihren Recherchen voran. Die Kinder bestimmen ihren eigenen Rhythmus um Voran zu kommen. Es ist nicht der Lehrer, der den Rhythmus fĂŒr die ganze Klasse vorgibt. Das Lernen kann verschiedene Art und Weisen innerhalb einer Klasse annehmen.

Der Laptop ermöglicht einem Informationen zu suchen, dabei kann man auf eine Vielzahl von Ressourcen zurĂŒckgreifen, von Internetseiten bis hin zu elektronischen EnzyklopĂ€dien oder dem Austausch auf Netzwerken mit Gleichgesinnten. Durch diesen Zugang zu verschiedenen Ressourcen kann man die QualitĂ€t der Informationen analysieren und vergleichen, aber man kann auch seine Lernverhalten anders gestalten. Zudem kann man als Lehrer die verschiedenen Typen der Lernenden berĂŒcksichtigen. Der Unterricht ist oft linear, offizielle Programme bestimmen, welche BĂŒcher im Unterricht benutzt werden. Der Unterricht wird anhand dieser BĂŒchern geplant. Das beschrĂ€nkt die Methoden des Lernens, welche nicht mehr kompatibel mit den kognitiven FĂ€higkeiten der SchĂŒler des 21. Jahrhundert sind.

Wenn ein Lehrer von diesen Vorteilen profitieren möchte muss er offen sein und einige seiner sicheren Unterrichtsmethoden wie den Frontalunterricht oder die Arbeitsweise des Frage-Antwort Unterrichts aufgeben. Er muss bereit sein sich auf ein Abenteuer einzulassen, welches einige technische Gefahren mit sich bringen kann. Es kann vorkommen, dass die Jugendlichen den Lehrer mit ihren technischen FĂ€higkeiten und ihrem Know-How ĂŒberflĂŒgeln. Der Lehrer muss flexibel sein und in dieser Situation eine Motivationsquelle fĂŒr die SchĂŒler sein. Er darf darin keine Bedrohung fĂŒr seine eigene AutoritĂ€t sehen.

Es existieren aber auch einige Risiken und Gefahren, zum Beispiel die einer geistigen Faulheit, welche bei den SchĂŒlern auftreten kann. Es ist nicht mehr nötig die Grammatik einer Sprache zu kennen, denn der Computer verbessert automatisch die Fehler, es ist unnötig rechnen zu können oder ReprĂ€sentationen zu erstellen oder eine Skizze zu entwerfen, denn der PC ĂŒbernimmt das.

Die Schnelligkeit der Information oder des Resultats stellt ein weiteres Risiko dar. Obwohl der SchĂŒler weiß, dass nicht alle Informationen, welche im Internet veröffentlicht wurden richtig sind, wĂ€hlt er oft den bequemen Weg um keine Zeit zu verlieren. Es besteht die Gefahr, dass Informationen nicht hinterfragt und analysiert werden.

Es besteht das Risiko, dass das tatsĂ€chliche Lernen gar nicht stattfindet. Dies muss man sich eingestehen. Hat der SchĂŒler sich die Zeit genommen um sich das Wissen anzueignen? Oder hat er diese Informationen blind aus dem Internet kopiert? Es reicht nicht aus einfach im Internet zu surfen um kompetent zu werden!

Die Studie von L. Miller und J. Olsen, „Putting the Computer in is place: a study of teaching with technologie“ , warnt vor blindem Enthusiasmus wen es um Informatik in der Schule geht. Diese Untersuchung zeigt, dass die richtige Nutzung des Computers durch den Lehrer im Klassenzimmer auf Grund seiner vorherigen FĂ€higkeiten zur Planung seines Unterrichts bestimmt wird.
Angesichts dieser Gefahren und Fallen muss die Schule eine umfassende und kohÀrente Umsetzungsstrategie entwickeln.

Welche Strategien und Rahmenbedingungen sollen eingefĂŒhrt werden?

Die erste Voraussetzung fĂŒr ein optimales informatisches Lernen ist zweifelsohne, dass die Schulgemeinschaft ein gemeinsames Wertesystem und methodische AnsĂ€tze entwickelt. FĂŒhren wir einige Beispiele an:

‱ Um ein Referat mit PowerPoint PrĂ€sentation vorzutragen, muss sich der Lehrkörper auf die zu erfĂŒllenden QualitĂ€tskriterien einigen.
‱ Wenn man im Internet nach Informationen sucht um ein Dokument zu verfassen, muss man sich an die gĂ€ngigen Richtlinien fĂŒr das richtige Zitieren der Quellen halten.

Ohne eine kohĂ€rente Vorgehensweise der Schule kann das von einem SchĂŒler erworbene “vollstĂ€ndige methodische Kit” nicht in Betrieb genommen werden. Vor diesem Hintergrund hat unser Team im Laufe der Jahre erste Konventionen fĂŒr den richtigen Gebrauch und Verhaltensregeln in Form der “Laptop Konvention” entwickelt, die vom SchĂŒler und seinen Eltern unterzeichnet werden muss. Dann wurden Kompetenztabellen erstellt, die zeigen sollen welche methodischen FĂ€higkeiten die verschiedenen Sekundarstufen im Laufe des Jahres erwerben mĂŒssen. Wir stellen die TIC-FĂ€higkeiten in den Mittelpunkt unserer Programme, um sie wirklich unverzichtbar zu machen.

Eine zweite wichtige Bedingung ist, dass der Lehrer dafĂŒr Sorge trĂ€gt, dass der SchĂŒler Autor seines Lernens ist. Neben dem ergĂ€nzenden „informatischen RĂŒstzeug“ ist auch der Erwerb fĂ€cherĂŒbergreifender Methodenkompetenz fĂŒr den SchĂŒler sinnvoll.

Ein Konzept, welches in den Überlegungen der Experten sehr prĂ€sent ist, ist das Konzept der Alphabetisierung. Laut der Organisation fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist Lesen und Schreiben “die FĂ€higkeit, schriftliche Informationen im tĂ€glichen Leben, zu Hause, bei der Arbeit und in der Gemeinschaft zu verstehen und zu nutzen, diese Kompetenz wird eingesetzt um seine persönliche Ziele zu erreichen und um sein Wissen und seine Kompetenzen auszubauen.“ Der Computer dient der Entwicklung von FĂ€higkeit ebenso wie die traditionellen Hilfestellungen, da es darum geht, die Bedeutung der gefundenen Informationen zu erfassen, ihre Wahrhaftigkeit zu ĂŒberprĂŒfen und zwischen Affirmation, persönlicher Positionierung, rigoroser Analyse oder wissenschaftlich nachgewiesener Schlussfolgerung zu unterscheiden.

Eine weitere wesentliche Voraussetzung fĂŒr den erfolgreichen Einsatz des Computer-Tools ist zweifellos die Bereitstellung von Fortbildungsmaßnahmen fĂŒr das Lehrpersonal; die Lehrer mĂŒssen erkennen, dass solche Weiterbildungen wichtig sind.

In den letzten Jahren haben Tabletts und Smartphones, welche als Lernutensilien dienen, ihren Weg ins Klassenzimmer gefunden. Der Ansatz “ein Computer pro SchĂŒler” stellt sicherlich eine große Herausforderung dar, aber es gibt keine Alternative. Digitale Kompetenzen können nur aufgebaut werden, wenn es eine dauerhafte ZugĂ€nglichkeit, Nutzung und Evolution gibt.
Pamela Livingston, Direktorin fĂŒr Technologie an der Peck School in Morriston, NJ, sagt:

“When we see our students immersed in a sea of technology,
as they so clearly are in our 21st century world,
it’s our duty as educators to help them
navigate it smoothly, effectively and purposefully.”

Nichts hinzuzufĂŒgen!